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Wer in der globalisierten Welt mitspielen möchte, nimmt sich einen Lebensberater. Ob Manager oder Kindergärtnerin – jeder will sich optimieren
Das Umdenken in Deutschland setzte vor etwa fünf Jahren ein. Bis dahin wurde belächelt, wer sich coachen ließ. Er war stigmatisiert als Verlierer, Schwächling, Kranker. Mittlerweile gilt Coaching als Zeichen hoher Wertschätzung. Mittlerweile hat vermutlich jede zweite Führungsperson ihren ständigen Coach, in Großkonzernen werden ganze Abteilungen regelmäßig durchgecoacht, externe Coachs fördern den Teamgeist in mittelständischen Unternehmen. Was ist geschehen? Inwieweit sind einfache Lebensführungskompetenzen verloren gegangen, dass erwachsenen und überaus erfolgreichen Menschen das Gelingen des Lebens wieder beigebracht werden muss?
Trainer von Fußballmannschaften heißen heute nicht mehr Trainer, sondern Coach, also hat Coaching etwas mit sozial akzeptierter Spitzenleistung zu tun.
Coaching richtet sich an Personen, deren Selbststeuerungsfähigkeit funktioniert, die gezielt nach systematischer Veränderung oder Perfektionierung streben. In psychotherapeutische Behandlung dagegen geht, wessen Selbststeuerungsfähigkeit durch Neurosen, Psychosen, Angstzustände oder Depressionen deutlich eingeschränkt ist; obwohl Coaching manche Nähe zu verhaltenstherapeutischen Verfahren aufweist, ist es also definitiv kein Therapieersatz.
Wo der Therapeut sechs bis zehn Sitzungen braucht, um mühsam die Biografie des Patienten zu ergründen, zielt der Coach auf eine Lösung in kürzester Zeit. Das entspricht der Erwartung an das Individuum von heute, möglichst effektiv und effizient, möglichst schnell und ohne Zeitverlust agieren zu können. Lange Problemdiskurse verzögern den Ablauf, Verzögerungen kosten Geld, deshalb sind Unternehmen den Coachs auf einmal wohlgesinnt – aus vitalem Interesse, die Motivation des Mitarbeiters zu den eigenen Gunsten zu steigern.
Coaching als Unterstützung des Einzelnen auf den Pfaden durch die entgrenzten Marktplätze.
Der Coach rät nicht, er fragt; er reagiert und holt mit Empathie und Intuition hervor, was verschüttet worden zu sein scheint.
Inhalt eines gelingenden Coachings ist immer die Frage an den Coachee: Was willst DU? Vier, sechs, acht Stunden lang geht es in Variationen nur um diese eine, vergleichsweise simple Frage und um eine unspektakuläre, vergleichsweise kleine Antwort mit großen Konsequenzen für das aus den Fugen geratene Leben.
Die neue ökonomische Realität hat eine neue Figur hervorgebracht, die Richard Sennett den »getriebenen Menschen« nennt. Für den französischen Soziologen Alain Ehrenberg ist die psychologische Befindlichkeit dieses Menschen das »erschöpfte Selbst«.
Jedes Individuum fungiert wie ein Unternehmer in eigener Sache. Dieses unternehmerische Selbst bewegt und präsentiert sich unentwegt auf Märkten. Die Welt ist, so gesehen, ein totaler Marktplatz, auf dem alle Bewohner ihre eigenen Aktien verhandeln und verkaufen. Grenzen gibt es nicht mehr.
»Der Coach ist der Hofnarr von heute, der Idealfall eines neutralen Feedback-Gebers.« Er wird dafür bezahlt, dass er schonungslos fragt, unbeirrt nachhakt, blinde Flecken sucht, ausleuchtet, Alternativen aufzeigt, das Undenkbare denkt, kurzum: aus dem getriebenen Menschen einen innehaltenden macht, der in einem schnörkellosen, kleinen Raum keine Chance hat, sich zu entkommen.
Nach unserer Erfahrung mit Führungskräften sind unter ihnen zwei Typen vorherrschend: die einen, ewige Grübler mit struktureller Entscheidungsschwäche, wollen zu viel; die anderen, rein handlungsfixiert, reflektieren wenig. Beide führt der Coach zu sich selbst. Psychotherapie oder Psychoanalyse sind in der Wirtschaft »nicht anschlussfähig«. Coaching sei heute der einzige Weg, psychologische Dienste ohne Stigmatisierung und auf sozial akzeptierte Weise in die Wirtschaft zu bringen.
Beim Coach dürfen die zu Coachenden erzählen, dass sie nicht mehr weiter wissen, dass sie Angst haben, dass sie traurig sind, dass sie sich nach Ruhe und Wärme sehnen, dass sie sich einsam fühlen und diese Einsamkeit nicht aushalten, sie können endlich Schwäche zeigen.
Asgodom, die, wie sie sich nennt, »große Mutter der Manager«, lässt sich ebenfalls coachen, von einer erfahrenen Kollegin. »Wenn das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Therapie war, ist das 21. das des Coaching«, sagt sie. Es werde allmählich völlig normal, sich coachen zu lassen. »Dieses ›Friss oder stirb!‹-Leben, das schafft man alleine nicht mehr.«
Coaching ist Prophylaxe: ein Tag Selbstreflexion statt zwei Jahre ›Weiter so!‹, in denen man immer unglücklicher wird.
Siehe zum Thema Coaching den interessanten Artikel "Das gecoachte Ich" der Zeitung: "Die Zeit" auf: www.zeit.de
Face to face with horses
APTF - Akademie für Pferdegestütztes Team- und Führungstraining
Detlef Teuscher - Neuhofer Dorfstr. 53 - 15806 Zossen OT Wünsdorf - Tel.: +49 (0)3370 221 490